IKEA rocks

Wie jeder anständige Mann hab auch ich einen Kleiderschrank. Und ich bin zufrieden damit. Klamotten rein – Klamotten raus. Ganz einfach. Gut, dass seit dem letzten Umzug die Türen nicht mehr wirklich schließen, weil die Scharniere dabei irgendwie ausgerissen sind mag manchen zum Neukauf bewegen – aber wozu guck ich denn meine halbe Jungendzeit MacGyver?!
Bleibt also nur Platzmangel als Grund der Bewegnis. Damit hätte ich an sich auch kein Problem – wäre da nicht meine über alles geliebte Freundin, die seit geraumer Zeit Teile meines(!) Kleiderschranks annektiert und nach mehr schreit.

Is ja nich so, dass sie auch einen (doppelt so großen) Schrank hat und die Kommode daneben und die im Flur, die ausschließlich der Aufbewahrung von Taschen und Schals dient. Nicht zu vergessen die Abstellkammer, die ob ihrer Lage außerhalb der Wohnung auch gerne als Keller bezeichnet wird. Auch hier findet sich ein weiterer Schrank sowie etliche Säcke und Tüten voller Modeprodukte. Nebenbei, jedes Mal wenn ich in der Zeitung die neuesten H&M-Umsatz-Zahlen lese… ach… lassen wir das.

Nun ist es also soweit, dass sie sich nen neuen Schrank kaufen will, freilich nicht als Ersatz für den anderen, sondern quasi als Zugabe. Nachdem ebay mangels passendem Angebot ausfiel, gings also zu IKEA. Die Frage, ob wir evtl. vorher mal messen sollten, wieviel Platz unsere übersichtliche 2-Zimmer-Wohnung noch hergibt wird kategorisch abgeschmettert – wird schon passen. Also rein in unseren Großraum-Fiat Uno und ab gen Sindelfingen, den Weg dorthin kennt sie, läßt sie mich wissen, da ginge es so den Berg hoch und dann wär da schon das Schild.

Kurz vor bevor wir in Stuttgarts Innenstadt eintauchen übernehme ich die Navigation.

So, IKEA erreicht. Was mich ja schon grundsätzlich an dem Verein nervt, ist diese ewig lange und nicht abzukürzende Kunden-Kanalisierungs-Route durch das Kaufhaus. Keine Chance an den Kerzenhaltern und Servietten vorbei zu kommen. Irgendwann erreichen wir dann doch die Kleiderschrank-Abteilung und zack: Der erste Schrank der Begierde ist entdeckt. Leider ist der größer als unsere gesamte Wohnung und kostet soviel, dass ich mich nen Monat drin einmieten könnte und trotzdem mehr zahlen würde als für unsere Wohnung. Also nach was anderem geguckt. Dabei entdecken wir langsam aber nachhaltig die Vorzüge des IKEA Pax-System. Nimm irgendne Tür und bau sie an irgendnen Schrank. Klasse. Mit etlichen Zettelchen und Broschüren bewaffnet basteln wir also unseren Schrank. Richtig gelesen, unser Schrank. Von einem ist inzwischen keine Rede mehr. Meiner ist ja eh kaputt und ihrer soooo klein und überhaupt haben wir ja keinen Platz für noch einen. Gut denk mir, kann man die Gelegenheit ja nutzen und nicht ewig ebay-Auktionen bestaunen oder Kataloge wälzen sondern einfach hingehen, kaufen und mitnehmen. Wie man das als Mann halt so macht. Keine Kerzenhalter, keine Servietten, nur ein Schrank.

Die anfänglich mit Genugtuung aufgenomme Preisvorstellung schwindet allerdings rasch, wenn man(n) erstmal bemerkt, dass alles, selbst die Türgriffe, extra kosten – PAX halt. Aber sei’s drum, ich will endlich raus da also nehmen wir das Ding, allerdings unter Vorbehalt, denn ich kann meine Liebste doch noch überzeugen, ob der 236 neu zu gewinnender Mode-Silo-Zentimeter vorher nochmal die Wohnung auszumessen und bei der Gelegenheit auch gleich den Fiat.

Also ab nach Hause, schon bei der Ankunft am Auto festgestellt, dass das nix wird und die Bude vermessen. 2,41m. Schwein gehabt.

Nächster Tag, selten ist sie schon früh morgens so fröhlich, beschwingt und zum singen aufgelegt – ein neuer Kleeeeideeerschraaaank…

Fluchs noch nebenan nen VW Transporter mit original 2,40 Ladefläche gemietet, Autobahn, Sindelfingen, IKEA, im Laufschritt durch die Kunden-Kanalisierungs-Route und ab zum SB-Teil, Griffe, Kleiderstangen, Regalböden, Schubladen auf den Tieflader gewuchtet. Dann fluchs und dank Plastikgeld ohne größere Schmerzen zahlen und zur Warenausgabe, Nummer ziehen und warten. Während Lisa uns Kaffee besorgt studiere ich die “Teste uns!”-Handzettel bei der Warenausgabe. Wenn’s länger als 7 Minuten plus eine Minute pro Artikel dauert, gibt’s nen Wecker umsonst. Ihr könnt Euch sicher mein hämisches Grinsen vorstellen bei dem Satz: “Das gibt dann wohl nen Wecker, hm?” Das der dann lila is, naja…

Also alles rein ins Auto, aufm Rückweg noch Roshan angerufen, er möge mir helfen, die knapp 300kg Schrank in den vierten Stock zu bewegen, was der freundlicherweise und mit Aussicht auf Bier auch sofort übernimmt.

Jetzt folgt der schönste Teil: Aufbauen. Es gibt nichts schöneres als IKEA-Anleitungen. Also gleich mal wech damit, blick ich eh nich. Akkuschrauber raus und los geht’s – da kommt Freude auf und ne Menge Müll bei raus. Dieses Mal waren sogar alle benötigten Teile dabei, wir haben uns nur bei einer der Kleiderstangen vergriffen, naja. Ungezählte Stunden später, so kurz nach Mitternacht steht das gute Stück dann, die Wohnung sieht aus wie nach nem Tornado aber wir sind zufrieden. Das königliche wir ;-)

P.S. Demokratisch wie ich bin, möchte ich Euch freilich auch Lisa’s Sicht der Dinge nicht vorenthalten.

8. April 2006, 20:31 Uhr
Allgemein

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Bisher 5 Tuben Senf zum Artikel

  1. Tube Senf von Michl

    IKEA-Geschichten sind gefährlich!

    Vor allem hinsichtlich des weiblichen Geschlechts. Sofort gerät man in Sexismusverdacht oder es soll einem gar ein Kind untergeschoben werden…

    Vorsicht Kevin!

    :-)

  2. Tube Senf von Michl

    Ooops. Jetzt wollt ich verlinken, aber ich hab Mist gemacht und wohl XHTML nich so richtig verstanden.
    Also nochmal:

    Die IKEA-Geschichte: http://finkployd.blogger.de/stories/385901/#386619

    Der Sexismusvorwurf:
    http://finkployd.blogger.de/stories/397789/

    Das Kind:
    http://yetused.blogger.de/stories/401721/

  3. Tube Senf von Babse

    Etwas später gelesen aber trotzdem echt der Wahnsinn, ich habe gelegen vor Lachen, auch Lisas Gegendarstellung ist sehr gelungen amüsant. Herrlich welch Aufregung so ein einfahcer Kleiderschrank bereiten kann. Find ich echt gut.
    de Babse

  4. Tube Senf von Jovi

    Hey… zum Thema Anleitungen, Montage und PAX….hab ich Senf dazuzugeben :(

    Wir haben die Montageanleitung nicht 100% befolgt, und somit schon beim Aufbau einen PAX Kleiderschrank völlig unbrauchbar gemacht.

    Man montiert ja den Schrank zunächst liegend, indem man den Boden an einer Seitenwand befestigt, quasi wie ein liegendes L. Danach, so die Anleitung, muss man das Konstrukt aufrichten, so dass es quasi wie ein echtes L steht, eine zweite Person montiert die obere Platte, und nun befestigt man die zweite Seitentür an Boden und Deckplatte sodass man den Rahmen komplett hat, und nur noch Rückwand und Türen dranmachen muss.
    Wir hatten einen PAX mit 100x200x60cm, also nicjt den ganz schmalen/flachen. sondern je eine Nummer größer in Breite und Tiefe.

    Wir hatten das liegende L montiert, und anstatt es aufzurichten (um dann Deckplatte und zweite Seitenwand zu montieren), dachten wir, wir bauen mal auch die Deckplatte und die zweite Seitenwand dran, und dann richten wir den ganzen “Kasten” bzw Rahmen einfach nur noch auf. und bauen Türen und Rückwand an

    Gesagt, getan – und der PAX bricht in sich zusammen als sei er aus Pappe.
    Die Metallstifte, mit denen die Platten zusammengehalten wurden, brachen einfach aus den Sperrholzplatten heraus, da diese nicht die Konsistenz hatten, um das Gewicht des Rahmens in der Schräglage beim Aufrichten zu halten.

    Nun sind die Bohrungen natürlich komplett aufgebrochen, und man kann da nix mehr dran befestigen. Man kann auch nicht (einfach) andere Bohrungen verwenden, denn dann passt das ganze nicht zusammen (Es sei denn man kürzt die Rückplatten um 6cm, bringt eine 3cm Holzplatte unter dem Schrank an, und wendet weitere Kniffe an)
    Da der Kasten nur 50€ kostet, lohnt sich das ganze nicht.

    Daher meine Warnung: IKEA Montageanleitungen nicht immer auf die leichte Schulter nehmen, vor allem nicht beim größeren PAX.
    Wir haben beide schon etliche Schränke zusammengebaut, abgebaut und umhergekippt, aber hiermit hatten wir nicht gerechnet.

    Die Anleitung sollte zumindest eine Warnung aussprechen, dass man (zumindest nicht den 60cm breiten) Schrank nicht seitlich liegend fertigmontieren und ihn erst dann aurichten _darf_, denn tut man das, zerstört man das Produkt direkt bevor es überhaupt aufgebaut war

    Eine gute Seite hat der Zwischenfall dennoch: An der Aussenseite sind die Platten natürlich komplett unbeschädigt, und werden mit ihren Abmessungen (200x60cm) super Tischplaten machen, eventuell ja mit günstigen IKEA Beinen, oder einfach nur auf irgendwelchen Kisten in einem Arbeitszimmer drauf :)

    So. Das war mein Senf dazu, danke fürs Lesen :)

  5. Pingback von MollyMeierElefant

    [...] Die wohlverdiente Gegendarstellung evalisam @ 10:44 am [abgelegt unter Was so passiert] Agentin Wurstfinger sagt: [...]

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