Fussball auf Premiere.de oder warum Live Ticker doch ihre Daseinsberechtigung haben

Ein kleiner Beitrag aus der Reihe “Meine Lieblingsfirmen”. Heute: Premiere.

Vor nicht allzu langer Zeit war ich stolzer Inhaber eines Premiere-Komplett-Abos. Maßgeblich daran beteiligt und daher hier ausdrücklich lobend zu erwähnen war das Konglomerat aus comdirect Bank und web.de, die es in einer beispiellosen Werbekampagne möglich machten, nur durch Eröffnung eines (kostenfreien) Kontos an so ein Premiere-Abo für 3 Monate, gefolgt von der Premiere-Start Variante (weniger Sender, kein Fussball, eigentlich sinnlos) für 9 Monate zu kommen.

Verschmitzt wie ich bin, hab ich die 3 Monate freilich so getimed, dass die Fussbal-WM darunter fällt, sehr angenehm. Sogar von Wollen-Sie-nicht-doch-länger-Kunde-werden-Anrufen wurde ich verschont, nur eine Versicherung wollte mir Premiere verkaufen. (Vermutlich gegen GEZ)

Da nun aber die besagten drei Komplett-Monate vorrüber sind, ist’s aus mit der schönen 5.1-Surround-Stadionatmosphäre im Wohnzimmer. Doch es naht Abhilfe: Premiere sendet die komplette Champions League auch live im Internet, für fast schon angemessene 3 Euro bekommt man als Premiere-Abonnent das Spiel seiner Wahl oder aber die Konferenz. Nicht-Abonnenten zahlen schon recht happige 6 Euro.

Also auf zum Feldversuch. Die Registrierung ging recht flott, nur kurz Name, Passwort und natürlich Kreditkarten-Nummer hinterlassen. Dann das gewünschte Spiel auswählen, mit Name und Passwort ausweisen, schon ist der Stream bezahlt und los geht’s. Könnte man meinen. Pustekuchen! Denn damit man den verbilligten 3-Euro-Tarif bekommt, muss man sich als Abonnent mittels Kundennummer und Passwort ausweisen. Passwort hab ich keins, macht aber nix, sagt die Website, nur schnell Postleitzahl und Geburtsdatum angeben, dann gibt’s ein Passwort. Leider mochte die Seite dann mein Geburtsdatum nicht und nach dem dritten Versuch hat sie sich aufgrund “eines temporären Fehlers” komplett verabschiedet.

Aber da der Anstoß unweigerlich naht, beißt man irgendwann in den sauren Apfel und löhnt die erwähnten und verteuerten sechs harten Euros. Also geht’s endlich los? Weit gefehlt:

Denn hier kommen die gewohnten Kandidaten für Ich-versuch-mal-was-ganz-tolles-und-setz-es-in-den-Sand ins Spiel: Microsoft und Mother T, sprich die Deutsche Telekom. Es geht schon damit los, dass zum Abspielen der Livestreams zwingend der Internet Explorer benutzt werden muss, was uns fortgeschrittenen Internet-Benutzern sauer aufstößt. Sei’s drum. Weiter geht’s mit kompletter Überlastung der (Telekom-)Server und dem frechen Hinweis auf der Premiere-Seite: “Premiere übernimmt keine Verantwortung für die technischen Voraussetzungen beim Endkunden.” Sprich: Wenn’s nicht geht, selber Schuld.

So kam es dann, dass die gesamte erste Halbzeit wahlweise gar nichts, ein paar Standbilder oder hin und wieder(!) auch bewegte Bilder brachte, dann allerdings sowohl horizontal wie auch vertikal gespiegelt und in Grün. Sattes Grün, wenn’s nicht grün wär, könnte man meinen wieder in schwarz-weiss Zeiten angekommen zu sein. Da ist man fast soweit, wieder auf irgendeinen Live-Ticker auszuweichen, der hat fast den gleichen Spannungslevel, wenn man alle 5 Minuten einen Halbsatz zugeworfen bekommt.

Zur Halbzeitpause hab ich dann beschlossen, dieser Katastrophe nicht länger beizuwohnen und hab mich in die angestammte Fussball-Kneipe aufgemacht. Die hatte allerdings auch kein Premiere mehr, sondern jetzt nur noch Arena. Ein Dank an die Rechteverwerter dieser Welt dafür. Also wieder zurück und erstaunt festgestellt, dass wohl noch ein paar tausend andere Internet-Gucker den gleichen Gedanken mit der Kneipe hatten – jedenfalls konnte man ab der 65. Minute relativ aussetzerfrei dem Gekicke fröhnen. Da waren allerdings schon zwei Tore gefallen.

Die Beschwerde an Premiere geht freilich trotzdem raus, werde hier berichten, ob und was sich tut. Solange erspart Euch diesen mehr als misslungenen Versuch eine eigentlich nicht schlechte Idee umzusetzen.

14. September 2006, 18:52 Uhr
Allgemein

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